Michael Nyqvist und Sven-Bertil Taube in "Verblendung". Quelle: Warner/NFP
Michael Nyqvist und Sven-Bertil Taube in "Verblendung"

aspekte

Bestseller mit Mission

Stieg Larssons Bucherfolg kommt ins Kino

Die Geschichte beginnt scheinbar wie ein gewöhnlicher Krimi: Jedes Jahr zum Geburtstag bekommt der schwedische Patriarch Henrik Vanger ein Paket ohne Absender, mit einer getrockneten Blume darin. So wie sie ihm seine Nichte früher immer geschenkt hat. Nur: Diese Nichte Harriet ist seit 40 Jahren verschollen. Henrik Vanger macht einen letzten Versuch, herauszufinden, was mit ihr passiert ist und heuert den investigativen Journalisten Mikael Blomkvist an.

 
 
 

Bei den Ermittlungen bekommt Blomkvist unerwartet Hilfe von der Computer-Hackerin Lisbeth Salander. Gemeinsam wühlen sie in der Vergangenheit des Vanger-Clans. Eine schwedische Kriminalgeschichte wie jede andere also? Von wegen.

Über die Schattenseite der Gesellschaft

Die Bücher von Stieg Larsson sind weit mehr. Die drei Romane der Millenium-Trilogie sind keine simpel gestrickten Bestseller, sondern einzigartig. Es sind Romane, in denen die Schattenseiten der Gesellschaft verhandelt werden. Und zwar härter, klarer und weniger moralisierend als bei Henning Mankell oder Liza Marklund.

Familie Vanger in "Verblendung". Quelle: Warner/NFP
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Was verbirgt der Vanger-Clan?

Michael Nyqvist, der Mikael Blomkvist im Film spielt, hat alle drei Bücher in drei Tagen gelesen: "Sie sind absolut fesselnd." Die Lektorin der Trilogie, Eva Gedin, weiß, dass fast alle Leser die Bücher geradezu verschlingen: "Sie sind wirklich unglaublich spannend, keiner kann da aufhören zu lesen. Und in dem Maße ist das tatsächlich ungewöhnlich." Weltweit sind Stieg Larssons drei Romane über 15 Millionen Mal verkauft, in 40 Ländern haben diese Bücher eine beispiellose Karriere hingelegt. Und das ganz ohne einen Autor, der dafür Promotion machen konnte. Stieg Larsson starb bereits 2004, im Jahr vor der ersten Veröffentlichung, an einem Herzinfarkt im Treppenhaus seines Büros - im Alter von 50 Jahren.

Auf den Todeslisten der Neonazis

Larsson war Journalist, wie sein Alter Ego Blomkvist im Roman auch - ein Journalist mit einer Mission. Er wollte die Gesellschaft verändern, aufrütteln. Mit Artikeln und Sachbüchern schrieb er über die Schattenseiten des schwedischen Alltags: Rassendiskriminierung, den Aufstieg der Neonazis in Europa, Gewalt gegen Frauen. Erst 2002 begann er, auch an Romanen zu arbeiten. "Das gab ihm zum ersten Mal die Möglichkeit, in einer Weise über Politik und seine Perspektive auf die Gesellschaft zu schreiben, wie es in seiner normalen journalistischen Arbeit nicht möglich war", sagt Eva Gabrielsson, "erst recht nicht, als er für das Magazin 'Expo' arbeitete, dass sich vor allem gegen Neonazis engagiert. Jetzt konnte er alles über alles sagen. Das war seine Motivation: Sich endlich alles von der Seele zu schreiben."

Sven-Bertil Taube und Michael Nyqvist in "Verblendung". Quelle: Warner/NFP
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Mikael Blomkvist (Michael Nyqvist) recherchiert für Henrik Vanger (Sven-Bertil Taube)

Eva Gabrielsson hat 32 Jahre mit Stieg Larsson zusammengelebt. Es war ein gefährliches Leben, denn er stand auf den Todeslisten der Neonazis in Schweden, weil er den Mut hatte, immer wieder öffentlich vor ihnen zu warnen. Er musste sein Privatleben so anonym halten wie möglich. "Ich durfte nicht mal meinen Arbeitskollegen sagen, mit wem ich meine Wohnung teile", erinnert sich Gabrielsson. "Ich hatte auch nie Menschen von der Arbeit zu Hause zum Essen oder so was. Wir haben auch nicht geheiratet, damit Stieg nicht bei den öffentlichen Behörden recherchierbar ist."

"Für das kämpfen, woran man glaubt"

Stieg Larsson hat gekämpft, er war ein Underdog. Das hat er mit seiner zweiten Hauptperson, Lisbeth Salander, durchaus gemeinsam, wenn auch nicht so extrem. Salander ist eine Frau, die von der Gesellschaft an den Rand gedrängt wird und dennoch niemals aufgibt. Sie verlässt sich nur noch auf sich selbst und ihren unbedingten Überlebenswillen, mit ihrer Kraft und Intelligenz wird sie zur Superheldin. Diese Figur ist es, die diesen Roman so ungewöhnlich macht und auch den gelungenen Film, denn diese Eigenschaften bei einer weiblichen Hauptperson sind äußerst selten. Sie scheint keine Chance zu haben und schafft es dennoch, sich nichts gefallen zu lassen.

Noomi Rapace in "Verblendung". Quelle: Warner/NFP
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Lisbeth Salander (Noomi Rapace) wird zur Superheldin

Noomi Rapace verkörpert Lisbeth Salander im Film. Für sie ist die Botschaft der Bücher Larssons eindeutig: "'Du darfst sie nicht gewinnen lassen. Du musst kämpfen und dazu stehen, woran du glaubst, was richtig ist.' Lisbeth ist dafür das beste Beispiel: Sie hat alles und jeden gegen sich - aber am Ende geht sie ihren Weg. Weil sie in jeder Hinsicht eine Kämpferin ist. Larsson sagt uns: "Na los, nicht aufgeben!'"

Das, was gern verdrängt wird

Larssons Millenium-Trilogie kann man durchaus als Gesellschaftsroman unserer Zeit bezeichnen. Es geht um alles, was gern verdrängt wird, gerade vor dem Hintergrund eines scheinbaren Musterstaates wie Schweden. Dass seine Bücher gut sind, wusste Stieg Larsson, sagt seine Lebensgefährtin. Wenn sie sich gut verkaufen, soll er gesagt haben, wollte er endlich weniger arbeiten.

Infobox

Filmplakat "Verblendung" - Kinostart: 1.10.2009. Quelle: Warner/NFP
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Verblendung

Dänemark/Deutschland/
Schweden 2009
Regie: Niels Arden Oplev
Darsteller: Noomi Rapace, Michael Nyqvist, Sven-Bertil Taube u.a.
Kinostart: 1.10.2009