Es ist ein ungewöhnlich kalter Winter, das Land versinkt unter Schneemassen und der Wetter-dienst schlägt Alarm. Nur in einem Bio-Labor herrscht noch reger Betrieb. Hier wird fieberhaft an einem Impfstoff gearbeitet, der eine drohende Virus-Pandemie verhindern soll, die sich blitzschnell ausbreiten könnte. Nein, es geht nicht um die Schweinegrippe, sondern einen wirklich gefährlichen Erreger, eine Mutation des tödlichen Ebola-Virus. In seinem Thriller "Eisfieber" hat sich der Bestsellerautor Ken Follett eine solche Infektion grauenhaft genau ausgemalt.
Ein besessener Forscher dokumentiert am eigenen Leib den mörderischen Krankheitsverlauf. Doch was, wenn ein solcher Killer-Virus in die Hände islamistischer Terroristen gerät? Ein paar Sprühstöße aus einem winzigen Flakon - blitzschnell versprüht, wo viele Menschen zusammenkommen - und die Katastrophe ist nicht mehr stoppen.
Ein Horrorszenario, das schnell zur Realität werden könnte, meint Ken Follett: "Es ist durchaus plausibel, dass sich eine Terrorgruppe die Probe eines gefährlichen Virus' beschafft. Um sich das vorzustellen, bedarf es keiner all zu großen Fantasie. Sie füllen den Erreger in ein Parfüm-Flakon und versprühen es, den Sprühnebel atmen die Leute ein, er verteilt sich in ihren Lungen - und schon sind sie infiziert. Das ist sehr praktikabel."

Jetzt wurde Folletts Bestseller erstmals für einen aufwändigen Fernseh-Zweiteiler des ZDF verfilmt - in einer brisanten Mischung aus Bio-Terrorismus-Thriller und Familiendrama. In den Hauptrollen Heiner Lauterbach und Tom Schilling: Vater und Sohn - und doch heimliche Gegner. Denn der spielsüchtige Spross ist ins Netz von Terroristen geraten. Für eine Viertel Million verschafft er ihnen den tödlichen Killer-Virus aus der Firma seines Vaters und verrät schließlich die eigene Familie.
Seine Thriller-Szenarien hat der gelernte Journalist Ken Follett, wann immer möglich, selbst recherchiert. Dafür schlüpfte er im kanadischen Winnipeg schon mal in den Schutzanzug eines Hochsicherheits-Labors. "Richtig lebendig beschreiben kann ich am besten das, was ich selbst gesehen und gefühlt habe", sagt Follett", also musste ich mir auch mal so einen Schutzanzug überziehen. Es gibt wirklich einen Unterschied, man fühlt sich ganz eigenartig, wenn man in so einem Ding drinsteckt."

"Check it yourself" - "Mach dir selbst ein Bild" ist Folletts Credo. Also tauchte er auch zu den Dreharbeiten am Film-Set des ZDF auf. Ein Gentleman, der die Rolle des gelassenen Zuschauers beherrscht. Aber was geht tatsächlich in ihm vor? Meldet sich da nicht doch der Macher-Instinkt, kribbelt es nicht in seinen Händen? "Natürlich ist das aufregend und gleichzeitig ist man nervös", so Follett. "Dabei zu sein, wenn Schauspieler die Story real werden lassen, ist einfach aufregend und ich denke so: Hm, das hast du geschrieben - ziemlich gut. Und gleichzeitig bist du nervös: Denn beim Schreiben hast du immer wieder geprüft, dass die Logik stimmt und dass es nirgends langweilig wird und dass das Ganze seine Spannung hält. Und nun plötzlich gibst du all das ab. Und dann wird da auch noch geändert! Heimlich denkst du: Na, wenn das mal gut geht. Also: Es ist toll - und gleichzeitig beängstigend."
Im Fernsehfilm sorgen vor allem starke Frauen für Action: Isabella Ferrari zeigt als Sicherheitschefin der Bio-Firma im Psychokrieg mit den Terroristen knallharte Nerven. Die größte Überraschung aber ist Anneke Kim Sarnau in der Rolle der kaltblütigen Gangster-Braut: unberechenbar und brachial wie ein Junkie auf Entzug. "Terrific" - umwerfend, diese Schauspielerin - findet selbst Ken Follett. Für sie nimmt der allseits bekannte Gourmet schon mal ein Kantinenessen am Film-Set in Kauf: "Die Schurkenrolle, die Sie spielen", sagt er zu Sarnau, "die hatte in meinem Buch eigentlich mal ein Mann, so ein knallharter Typ mit Halbglatze und so. Aber dann hab ich es noch mal gelesen und dachte: Hm, immer diese Macho-Typen, das ist gähnend langweilig. Wie wär's mit einer Frau, die uns mal richtig einheizt. Da wurde es wieder interessant für mich."

Für die Männer im Film bleiben in "Eisfieber" vor allem zögernde, zerrissene Charaktere. Schwer zu sagen, wer da wessen Freund und wessen Feind ist und wann da wer die Seiten wechselt. Eine raffinierte Ken-Follett-Konstellation. Oder in den Worten des Meisters: die smarte Schachzug-Strategie.
Die Verfilmung des Bestsellers von Ken Follett ist als Zweiteiler am 25. und 27. Januar um 20Uhr15 im ZDF zu sehen.