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21. November 2009
 

aspekte

 
Die Protagonisten des Films "Nobody's Perfect", Kinostart: 11.09.2008. Quelle: Ventura Film
Die Darsteller-Crew von "Nobody's Perfect"

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Schau mich an!

Ein Dokumentarfilm über Contergan-Geschädigte: "Nobody's Perfect"

Dieser Film über Contergan ist anders - denn es ist eine Innenansicht. Niko von Glasow besuchte Contergan-Geschädigte und überzeugte sie von der Idee eines Fotokalenders. Er redete mit ihnen über ihren Lebensweg - mit der erfolgreichen Dressurreiterin Bianca Vogel oder dem Astrophysiker Stefan Fricke beispielsweise. Sie alle vereinte die Angst sich ausziehen, ihren versehrten Körper den Blicken auszusetzen, noch mehr angestarrt werden als sonst. Auch der Regisseur selbst hat seiner größten Angst ins Auge geblickt und sich vor der Kamera ausgezogen.

 
 
 
 

Niko von Glasow ist 1960 geboren - mit kurzen Armen. Seine Mutter hatte in der Schwangerschaft Contergan genommen. Von Glasow ist Filmregisseur, verheiratet und hat zwei Kinder. Andere Contergan Geschädigte kannte er bis vor kurzem kaum, hat sie sogar gemieden.

Zitat

„Jeder Mensch ist behindert. Bei mir sieht man es nur so gut.“

Niko von Glasow

"Da zieht's mir die Schuhe aus!"

"Viele meiner Freunde sind behindert - blind oder sitzen im Rollstuhl", so von Glasow. "Aber vor Contergan-Leuten hab ich richtig Angst gehabt, weil sie so eine Art Spiegel für mich sind. Wenn die sich so an der Nase kratzen, dann zieht's mir die Schuhe aus!" Seit einiger Zeit hat er viel mit Contergan-Behinderten zu tun, mehr noch: Er hat sie sogar gleich aufgefordert, sich auszuziehen und fotografieren zu lassen - für einen Fotokalender und seinen Dokumentarfilm "Nobody's Perfect" dazu.

 

Infobox

Kinotour und Austellungen der Fotografien

Köln: Deutschland-Premiere, Sonntag 31.08.08, 20.30 h im Museum Ludwig
Ausstellung 10.00-18.00 h, Alter Markt
Frankfurt: Vorpremiere, Dienstag, 02.09.08, 20.00 h im Metropolis
Ausstellung 10.00-16.00 h, Konstabler Wache
Stuttgart: Vorpremiere, Mittwoch, 03.09.08,19.30 h im Delphi
Ausstellung 10.00-18.00 h, Schlossplatz
München, Vorpremiere, Donnerstag, 04.09.08, 20.00 h im Atelier
Ausstellung 10.00-18.00 h, Stachus
Berlin, Vorpremiere, Sonntag, 07.09.08, 20.00 h im CinemaxX/Potsdamer Pl.
Ausstellung 10.00-18.00 h, Potsdamer Pl./ Stresemannstr.
Hamburg, Vorpremiere, Montag, 08.09.08, 20.00 h im Zeise 1
Ausstellung 10.00-18.00 h, Bahnhof Altona/Vorplatz
Leipzig, Vorpremiere, Dienstag, 09.09.08, 20.00 h in der Passage
Ausstellung 10.00-18.00 h. Wintergarten Burgplatz

 

Der Film ist eine Überraschung, denn er ist anrührend und gleichzeitig leicht und - witzig. Niko von Glasow hält es für "sehr wichtig, dass dieser Film lustig ist. Warum soll man in einen Film gehen, der traurige, etwas verfettete, behinderte Leute nackig zeigt? Warum soll man da reingehen, wenn er nicht komisch ist ...?" Die Stärke des Films besteht darin, dass Dinge ausgesprochen werden, die nur Behinderte zueinander sagen können. "Mitleid kann ich nur haben mit Leuten, die unter mir sind", so von Glasow. "Mit gleichwertigen Menschen habe ich ein Mitgefühl. Und deshalb ist Mitleid immer etwas, was man nicht so gerne hat."

 
Fred Dove in "Nobody's Perfect". Quelle: Ventura Film
Ventura Film
BBC-Moderator Fred Dove auf dem Fotokalender

Grünenthal schweigt

Niko von Glasow versuchte auch, mit der Familie Wirts zu sprechen, die hinter der Firma Grünenthal steht. Von 1957 bis 1961 vertrieb die "Chemie Grünenthal" das Beruhigungsmittel Contergan. Zu einem Gespräch vor der Kamera kommt es nicht. Die Entschädigungszahlungen von Grünenthal, die in eine Stiftung gingen, sind seit über 20 Jahren aufgebraucht. Für Niko von Glasow ist die Familie Wirts auf ihre Art auch Contergan-geschädigt: "Wer soviel Böses tut, wird dafür büßen. Und das meine ich gar nicht so pathetisch, wie es sich anhört. Das ist so. Das hat psychosomatische Folgen. Und ich bin sicher: Solange die keine Sühne tun, wird's denen beschissen gehen. Die tun mir wirklich leid."

 

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Plakat zum Film "Nobody's Perfect", Kinostart: 11.09.2008. Quelle: Ventura Film
Ventura Film

Nobody's Perfect

Regie und Drehbuch: Niko von Glasow
Darsteller: Sofia Plich, Mat Fraser, Fred Dove, Stefan Fricke, Sigrid Kwella, Andreas Meyer, Kim Morton, Doris Pakendorf, Petra Uttenweiler, Bianca Vogel, Mandel von Glasow, Niko von Glasow und Theo Zavelberg
Kinostart: 11.09.2008

 

Die fertigen Fotos werden am Ende des Films auf dem Kölner Domplatz präsentiert - und touren diesen Herbst durch weitere Städte. Sie sagen: "Schau mich an." Zu sehen sind zwölf Menschen, die sich der Wahrheit gestellt haben. Auch der Regisseur selbst hat sich vor der Kamera ausgezogen - sein Sohn hat ihm beigestanden.

 
Niko von Glasow und Stefan Fricke in "Nobody's Perfect". Quelle: Ventura Film
Ventura Film
Niko von Glasow (l.) und Stefan Fricke

 

"Auf die Behinderung zugehen"

"Jeder Mensch ist behindert" sagt von Glasow. "Bei mir sieht man es nur so gut. Sie haben bestimmt auch ein Problem: Sie sind vielleicht depressiv oder auf Koks. Jeder Mensch hat eine Behinderung. Jeder Mensch drückt sich davor, sie anzugehen. Und jeder Mensch muss früher oder später darauf zugehen. Wenn er es nicht tut, stirbt er dran." Später am Tag des Interviews ist Niko von Glasow mit seinen Kindern noch Schwimmen gegangen. Früher war das eine Horrorvorstellung: ohne T-Shirt am Strand. Doch das ist seit dem Foto passé.

 

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Niko von Glasow und Ania Dabrowska: Nobody's Perfect, E. Sandmann Verlag. Quelle: E. Sandmann Verlag
E. Sandmann Verlag

Nobody's Perfect

von Niko von Glasow
Fotographien von Ania Dabrowska
Dokumentation von zwölf Hochglanzfotos und der Schicksale, die sich hinten ihnen verbergen
Elisabeth Sandmann Verlag