Meisterregisseur Roman Polanski sitzt hinter Gittern. In den USA wurde er seit 32 Jahren von der Justiz gesucht. Am vergangenen Samstag wurde Polanski bei der Einreise in die Schweiz am Züricher Flughafen verhaftet. Grundlage ist ein internationaler US-Haftbefehl, in dem Polanski die Vergewaltigung einer Minderjährigen vorgeworfen wird.
Der polnisch-französische Filmregisseur Roman Polanski erlangte mit Filmen wie "Tanz der Vampire" (1967), "Rosemaries Baby" (1968) oder zuletzt "Oliver Twist" (2005) Weltruhm.
Er sitzt nicht zum ersten Mal ein. Im US-Verfahren 1978 hatte er zugegeben, die 13-jährige Samantha Geimer betrunken gemacht und missbraucht zu haben. Der zuständige Richter schickte den Regisseur 42 Tage in psychiatrische Behandlung. Als deutlich wurde, dass der Richter im weiteren Verfahren eine höhere Haftstrafe für Polanski verhängen würde als vereinbart, floh der damals 45-Jährige aus den USA.

Als er nun - mehr als drei Jahrzehnte später - in die Schweiz reiste, um bei einem Filmfestival in Zürich für sein Lebenswerk geehrt zu werden, wurden dem 76-Jährigen Handschellen angelegt. Ist Polanski nun ein Opfer oder der Täter, für den ihn sogar die New York Times hält? Um nicht weiter auf die Wertung "Genie oder Monster" eingehen zu müssen, schauen wir lieber auf sein aufschlussreiches Werk und sein sowohl von großen Erfolgen wie auch von großem persönlichen Leid geprägtes Leben.
Roman Polanski wächst im Krakauer Ghetto auf. Mit sieben muss er mit ansehen, wie seine Mutter abgeführt wird. Sie wird nicht zurückkehren, stirbt schwanger in Auschwitz. Vom eigenen Vater - der ihn häufig schlug - wird er aus dem Ghetto herausgeschleust. Polanski kommt bei einer katholischen Bauernfamilien unter, die ihn schwer arbeiten lassen. Das Thema Tod begegnet dem Kind immer wieder. Deutsche Soldaten schießen auf ihn - aus Spaß. Nur kurze Zeit später wird er durch einen Bombenblindgänger lebensgefährlich verletzt. Mit 16 lockt ein Mann ihn in einen Hinterhalt, Polanski wird ausgeraubt und fast erschlagen.
Nach ersten beruflichen Erfolgen in Europa geht der junge Regisseur nach Hollywood, dreht "Tanz der Vampire" und findet sein großes privates Glück mit der Hauptdarstellerin Sharon Tate. Einen riesigen Erfolg feiert er mit "Rosemaries Baby" - die Romanvorlage kam übrigens nicht von ihm, ein Bezug zum späteren Mord an seiner Frau war medial frei erfunden. Sharon Tate wurde 1969 hochschwanger von Anhängern des Massenmörders Charles-Manson bestialisch ermordet. Polanski bricht zusammen.
In seinen Filmen nach dem Mord sind diese Erfahrungen spürbar: in "Macbeth" strömt das Blut. Den Shakespeare-Stoff filmisch umzusetzen, war ein langgehegter Wunsch, schon aus seiner Theaterzeit in Polen. "Chinatown" war Polanskis Renaissance des "Film Noir", ebenfalls von großer Brutalität gezeichnet. Lack, Leder und Peitsche gab es in "Bitter Moon" zu sehen. Seine Vorliebe für sehr, sehr junge Frauen hat Polanski nie geleugnet. Kurz nach seiner Flucht aus den USA 1978 wurde die 15-jährige Nastassja Kinski für einige Zeit seine Liebhaberin.
Zurück nach Zürich: 32 Jahre ist der schwere Missbrauchsfall her. Nicht nur der damals geständige Täter Polanski, sondern auch sein Opfer, Samantha Geimer, bitten seit Jahren, das Verfahren einzustellen. Die dreifache Mutter sagt: "Meine Traumatisierung durch die mediale Verfolgung sowie durch sensationsgierige Staatsanwälte und Richter ist mittlerweile viel schlimmer als das Erlebnis selbst." Sie habe den Vorfall von 1977 verarbeitet und wolle dieses Kapitel ihres Lebens endlich abschließen.